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Das Leben als Autorin

Oder wie ich es nenne, eine Ansammlung erstaunter und erstaunlicher Momente.

 

„Oh hallo! Wir haben uns lange nicht mehr gesehen! Wie geht es dir? Und was machst du jetzt?“ „Danke, mir geht es gut. Ich arbeite als Autorin“

 

CUT! 

 

Ab hier wird der Dialog erst einmal unterbrochen, von einem verstörten Gesichtsausdruck.

 

 

 

Die typische Reaktion auf diese Aussage ist ein erstauntes „Nein!“

Oft sind es aber auch Sätze, wie das Liebliche: „Echt jetzt?“, oder das einfühlsame „Niemals!“

Das Beste, was ich bisher jedoch gehört hatte, war:

„Ich arbeite als Autorin.“

„Deine Schwester singt neuerdings im Chor.“

Ich kann immer noch nicht sagen, wer wen auf den Arm nehmen wollte. Ich kenne die Gesangsstimme von meiner Schwester, jedoch hat sich mein Vater für meine Schwester gefreut.

(Als kurze Anmerkung, die Unterhaltung bezüglich meiner Arbeit, haben mein Vater und ich 6 Wochen später wieder aufgenommen. Zu hören bekam ich das liebliche „Echt jetzt?“)

 

 

Ich kann nicht mehr sagen, wie oft die Menschen mir einen Bestseller unterjubeln wollten oder behauptet hatten, dass ich neuerdings reich wäre oder zu viel Zeit hätte. Ich habe auch schon gehört, dass es doch so einfach ist, einen Roman zu schreiben. Lange schlafen, ein paar Seiten tippen, dabei gemütlich ein Glas - Flasche - Fass Wein trinken und mal eben so aus dem Effeff einen Bestseller schreiben. Dazu läuft die Lieblingsmusik im Hintergrund und die Welt vergisst einen.

Ja, das klingt vielleicht für den ein oder anderen, nach dem perfekten Leben. Für mich klingt es wie ein unrealistischer Traum.

 

 

Ja, mein Leben hat sich verändert.

 

Nein, ich habe bisher keinen Bestseller geschrieben.

Aber! Ich weiß, dass ich es schaffe, einen Roman zu schreiben und zu veröffentlichen. Und ich weiß, dass es da Menschen gibt, die meine Bücher auch lesen.

 

 

Ja, ich bin reicher als vorher.

 

Ich habe viel Wissen angesammelt. Ich kann von mir behaupten, bisher fünf Romane veröffentlicht zu haben. Ich kann von mir behaupten, viele, tolle Menschen kennengelernt zu haben. Und ich kann behaupten, dass ich stolz auf mich bin, überhaupt so weit gekommen zu sein.

 

 

Nein, ich habe nicht zu viel Zeit!

 

Um genauer zu werden, habe ich noch weniger Zeit als vorher. Ich stehe früh auf und gehe erst spät in mein Bett. Ich versuche jeden Tag meinen Beruf, meine Freunde und meine Familie unter einen Hut zu bekommen. Aber dort ist genauso viel Platz, wie bei jedem anderen auch.

 

 

 

Dieses Bild von dem einsamen Autor, der trinkend über dem nächsten Bestseller sitzt, mag für einige toll sein. Ich finde es unrealistisch. Viele Autoren versuchen sich ein Tagespensum, für ihre Normseiten oder für die Anzahl ihrer getippten Wörter zu setzen. Mein Tagespensum habe ich bereits gestrichen. Ich habe natürlich gute Tage, an denen ich viele Wörter schaffe - mein persönlicher Rekord liegt bei 6519 Wörtern an einem Tag. Aber natürlich habe ich auch schlechte Tage, an denen gar nichts funktioniert.

 

Dazu kommt dieses unstimmige Bild von dem Wein. Ich trinke selten bis gar keinen Alkohol und bisher habe ich keinen Wein gefunden, der mir wirklich zusagt. Und, sind wir doch einmal ehrlich. Meinen die Menschen wirklich, dass es so dienlich ist, Alkohol bei der Arbeit zu trinken? Woher kommt dieses Bild von dem zerrütteten Künstler, der in seiner kalten, nassen Burg sitzt? Überall liegen Tierfelle herum, die Trophäen hängen an der Wand und gaffen einen an. Der Gärtner verscharrt den letzten unerwünschten Besucher im Garten, während das Feuer im Kamin viel zu viel Sauerstoff bekommt und wie im Wahn hin und her flackert. Der Autor beendet sein neustes Werk und lacht bestialisch in die Dunkelheit hinein.

 

Grausam!

 

Ich sitze im Wohnzimmer, arbeite still an meinem Manuskript. Meine Tiere liegen um mich herum, mein Sohnemann spielt und genießt sein Leben nach der Schule. 

Während ich meiner besseren Hälfte viel zu selten danke, für die Mühe und das Verständnis, welches mir entgegen gebracht wird.

Dabei höre ich die Musik, die zum Roman passt, aber bestimmt nicht zu meiner Laune und tippe fleißig meine Gedanken auf meine abgenutzten Tasten am Laptop. Ich vergesse dabei mich, die Welt um mich herum und springe wie eine verrückte auf, wenn ich auf die Uhr sehe und feststelle, dass ich seit 20 Minuten in der Küche stehen sollte, um zu kochen. 

Wenn alle beim Abendessen zusammensitzen und von ihrem Tag erzählen, freuen sie sich über das gelungene Essen. Ich hingegen würde am liebsten nur ein belegtes Brot essen und schlafen. Mir ist es egal, wie es schmeckt oder aussieht. Hauptsache es erfüllt seinen Zweck und macht mich satt. Dennoch lächel ich jedes mal, wenn ich höre, dass es ihnen schmeckt und wenn sie noch etwas nach nehmen wollen.

 

Wenn mein Roman beendet ist, erfreue ich mich vielleicht zehn Minuten an diesem Moment, ehe ich alles an meine Korrektorin/Lektorin weitergebe. Danach gönne ich mir eine Pause, bis ich das Manuskript zurückbekomme. Danach geht es in die Endbearbeitung, das Cover wird an die Seitenanzahl angepasst, die Grafiken für die Website werden erstellt und die Werbung vorbereitet. Und in der Zwischenzeit wird meine Geschichte bei meinen Distributoren hochgeladen, damit es meine Leser erreichen kann.

Wenn dies alles erledigt ist, ziehe ich meine Notizen hervor und beginne mit dem nächsten Werk.

 

 

Wenn ich jemanden so meinen Arbeitstag erzähle, höre ich so oft „Aber du machst doch gar nichts!“ Viele vergessen leider, dass ein Roman nicht geschrieben wird, weil man etwas abtippt. Nein, man muss vieles beachten, recherchieren, ausdenken und dem Buch ein Leben einhauchen. Nicht immer ist es ratsam sich an Fakten zu halten. Somit ist die eigene Fantasie immer gefragt.

Früher kannte ich kein Wochenende, keinen Urlaub und keine Pausen. Heute sieht es so aus, dass ich versuche mich an den Schulferien meines Sohnes zu orientieren. Und ja, irgendwann freut man sich über die Sommerferien und den damit verbundenen Urlaub. 

 

 

Nun fragen sich einige: „Warum macht die das dann?“

 

Ja, warum? Ich bin ein Mensch, der

A. Sehr kreativ ist und damit irgendwo hin muss und 

B. Ich liebe es, zu geben! Eine kurze Rezension oder ein einfaches „Das klingt interessant“ erfreuen mich ungemein. Natürlich ist es dann mein persönliches Highlight, wenn jemand sagt, dass er sich in meinem Buch verloren hat, mal alle Sorgen vergessen konnte und einfach von der Geschichte gefesselt war. Es ist ein wunderschöner Moment, wenn mir jemand sagt, dass er mit den Figuren mitfühlen konnte und sie es kaum erwarten konnten, wie die Geschichte weiter geht. Und ja, ich erfreue mich auch an den stummen Lesern. An denen, die das Buch kaufen und mit ihm so zufrieden waren, dass sie keine schlechte Rezension schreiben wollen. Eben an den ca. 99% die sich nicht trauen, nicht wissen, was sie schreiben sollen, einfach nicht wollen oder es vergessen.

 

Das ist mein Ansporn, warum ich jeden Tag aufwache und bei der Sache bin. Solange es einen Menschen gibt, der meine Geschichten gerne liest, so lange werde ich weiter schreiben.

© by T.E. Lind, 05.07.2016 - 2018

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