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Schlechte Rezensionen

Vor einigen Monaten hatte ich eine Unterhaltung mit meiner Freundin.

Sie druckste neben mir herum, denn sie wusste nicht, wie sie mir sagen sollte, dass mein Buch „Blood Type: Survival – Der Anfang“ eine negative Rezension bekommen hatte. Sie erzählte es mir, während ich das Abendessen zubereitete. Da ich an diesem Tag keine Zeit hatte, kannte ich diese Rezension nicht. Es ist etwas anderes, wenn ich die Rezensionen lese, die mir meine Leser als E-Mail oder als PN/DM Schicken. Die erscheinen bei mir auf dem Smartphone und ich lese sie, freue mich, und wenn offene Fragen sind, antworte ich auch. Aber die Rezensionen, die auf öffentlichen Kanälen liegen, hatte ich in dieser Zeit nicht im Auge.

Sie erzählte mir von der Rezension und sie war aufgebracht. Zum einen, weil eines ihrer liebsten Bücher war (Sie ist daran Schuld, dass ich dieses Buch beendet und veröffentlicht habe) und zum anderen, weil sie im Augenblick selbst an ihrem Debütroman arbeitet. Sie fragte mich, ob mir das gar nichts ausmachen würde und ich sagte ihr, dass es mich nicht stört.

Nein, ich saß danach nicht weinend im Badezimmer, ich meinte es so, wie ich es gesagt hatte.

 

Es war völlig in Ordnung!

 

Ich sah, dass sie mich nicht verstand und ich erklärte ihr meinen Standpunkt.

Dies hat mich dazu bewogen, diesen Beitrag zu schreiben.

 

Bevor ich weiterschreibe, möchte ich noch zwei Sachen ansprechen.

1. Wenn du nur negative Kritik zurück bekommst und sie alle dasselbe Problem ansprechen, dann solltest du dich darum kümmern.

2. Wenn du weißt, dass du ein Problem mit der Rechtschreibung und/oder der Grammatik hast, suche dir Hilfe. Dafür gibt es unsere Lektoren und Korrektoren. 

 

Nun gut, zurück zum Thema.

 

Wie gesagt, meine Freundin ist dabei ihren Debütroman zu schreiben. Dies bedeutet, dass sie natürlich leichtes Nervenflattern bezüglich der Rezensionen hat. Sie wünscht sich, dass jeder ihr Buchbaby so liebt, wie sie es tut und natürlich will sie, dass ihre zukünftigen Leser glücklich sind. Das kann jeder Autor verstehen und in meinem Herzen, wünsche auch ich mir glückliche Leser.

 

Aber das geht nicht.

 

Und das aus einem ganz einfachen Grund: Ein Roman ist ein Kunstobjekt.

 

Unser Duden definiert Kunst so:

„Schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt.“

 

Wenn ein Leser also in eine Buchhandlung (auch online) geht, ist es dasselbe, als wenn ich eine Kunstgalerie betrete. Vor dem Leser und mir breitet sich eine riesige Ansammlung mit Kunstgegenständen aus. Wir beide schlendern umher und suchen nach etwas, dass unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wir ziehen an Objekten vorbei, die uns nicht interessieren und wir bleiben missgestimmt bei einigen stehen, die wir sehr skurril finden. Und dann sehen wir es.

Der Leser sieht ein Buch, das Cover sieht toll aus, andere fanden es toll, die Werbung war gut, oder der Autor hat einen Preis gewonnen und dieses Buch wurde von einem supertollen Verlag verlegt. (Als Beispiel, das geht mit Werken von Selfpuplisher auch!)

Ich hingehen, stehe vor einem wunderschönen abstrakten Bild. Die verschiedenen Nuancen haben mich gefesselt, die Größe ist atemberaubend und es ist so günstig/teuer, dass ich es von meiner Steuerrückzahlung bezahlen kann.

 

Beide gehen wir mit unserer Beute nach Hause.

Ich hänge mein Bild auf und der Leser setzt sich in seine Lesemulde und beginnt mit dem Buch.

Während der Leser Seite für Seite liest, gehe ich mehrmals täglich an diesem Bild vorbei. Nach einer Woche komme ich an einem Punkt, an dem ich denke, dass mich das Bild optisch erschlägt. Dieses Monster eines Bildes sah für mich an der großen Wand in der Galerie so toll aus! Aber in meiner 20 Quadratmeterbude ist es viel zu groß. Ich bin frustriert, ich ärgere mich über mich selbst und ich schleppe dieses Monster auf meinen Dachboden, in der Hoffnung, dass ich es eines Tages verkaufen kann.

Der Leser kommt hingegen an eine Stelle, die er nicht mag. Oder er folgte bis dahin der Handlung nur halbherzig. Egal was es war, er klappt das Buch zu und legt es auf den Stapel der „schlechten Bücher“.

 

Einige Zeit später gibt es im Ort einen Flohmarkt. Begeistert stürme ich dahin und verkaufe mein viel zu teures, viel zu großes und viel zu unruhiges Bild, an jemanden, der dieses Bild an die kahle Wand in sein Büro hängen möchte. Für einen Apfel und ein Ei, bekommt er es. Er ist wahnsinnig glücklich und rennt mit seiner neuen Beute davon. Ich hingegen verweile noch auf dem Flohmarkt und bleibe an einem Stand hängen. Da steht ein Pappkarton mit Büchern. Ich ziehe eines der Bücher hervor und ich lese ein paar Seiten hinein. Mich hat die Handlung gepackt. Glücklich kaufe ich das Buch und kehre damit in meine Wohnung zurück. 

 

Vielleicht verstehst du jetzt, was ich meine.

Der Autor ist der Künstler, die Buchseiten sind seine Leinwand. Das Ergebnis ist das, was jeder Künstler macht.

 

Er lässt seiner Kreativität freien Lauf.

 

Wir sind 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt, Tendenz steigend. Man kann es niemals allen recht machen. Es wird immer einen geben, der ein anderes „Gut“ hat, als du. 

 

Du kannst und solltest dein Bestes geben.

Und du kannst und wirst jemanden finden, den du damit glücklich machst!

© by T.E. Lind, 05.07.2016 - 2018

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